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Stadtgrün oder Parkplätze?

Mittwoch, 22.07.2020

Sommerinterview Teil 2: Was denkt Bürgermeister Igel über die Proteste der Garagenbesitzer, Parkhäuser und Grünflächen im Stadtgebiet

Aktuell müssen Sie mit Protesten der Garagenbesitzer an der Albert-Schweitzer-Straße umgehen, deren Garagen im Zuge des Neubaus einer Schule eventuell weichen müssen. Zuletzt gab es eine Demonstration im Vorfeld der letzten Stadtverordnetenversammlung und ein Treffen mit dem RBB auf dem Garagenplatz. Haben Sie Verständnis dafür und was sagen Sie den Kritikern?

Die Proteste der Garagenbesitzer sind für mich etwas schwer nachvollziehbar, da ich den Bürgern im Rahmen der Demonstration vor dem Klubhaus das Versprechen gegeben habe, dass ich mich um ihre Anliegen kümmern und die Garagenvorstände anschließend auch einladen werde, um ihnen den Sachstand vorzustellen. Es gibt aktuell keinen Grund, die Existenz der Garagen grundsätzlich in Frage zu stellen.

Eine zusätzliche Flächenanalyse, die ich den Garagenpächtern vorgestellt habe, zeigt auf, dass sowohl der Schulneubau und die erforderliche Drei-Feld-Sporthalle südlich der Albert-Schweitzer-Straße möglich sind. Damit ist die in Anspruchnahme der Garagenflächen nicht erforderlich. Die Diskussion hat mir gezeigt, dass es eine große Unwissenheit unter der Betroffenen gibt und einige Akteure nicht zur Aufklärung, sondern zur Verunsicherung beitragen. Hieraus nehme ich für mich mit, dass es uns besser gelingen muss, die Bürgerinnen und Bürger als Betroffene zu informieren und mitzunehmen. Dies werde ich in den kommenden Wochen im Rahmen meiner Möglichkeiten auch tun.

Bleiben wir beim Thema Parkplätze…

Natürlich bleibt das Thema „Parkplätze“ auch weiterhin ganz oben auf der Agenda. Ich habe hierzu als Vorsitzender der Märkischen Heimat klare Aufträge an die Wohnungsgesellschaft erteilt. Im Ergebnis sind in den vergangenen zwei Jahren rund 120 neue Parkplätze gebaut worden. Vielleicht habe ich bisher den Fehler gemacht, dass der Erfolg nicht ausreichend kommuniziert und daher nicht richtig wahrgenommen wurde. Das werde ich in Zukunft besser machen.

Im nächsten Schritt steht jetzt Ludwigsfelde Nord mit den klar erkennbaren Parkplatzproblemen auf der Agenda. Dazu habe ich bereits den Vorstand der Ludwigsfelder Wohnungsgenossenschaft (LWG) und den Geschäftsführer der Märkischen Heimat zu einem gemeinsamen und lösungsorientieren Gespräch eingeladen. Über die Ergebnisse werde ich berichten.

Die Bürger sagen: „Warum bauen Sie nicht einfach ein Parkhaus?“ Was antworten Sie darauf?

Die Frage ist, und das wird zu erörtern sein: Parkhäuser schaffen gebündelte Schwerpunkte und machen die Wege von der Wohnung zum Parkplatz für die Mehrzahl der Bewohner länger. Ich frage mich, ob dann auch die Akzeptanz da ist, den Parkplatz mit weiteren Wegen zu nutzen. Unsere aktuellen Erfahrungen zeigen, dass etwa die Garagenbesitzer ihr Auto nicht jeden Abend in der Garage abstellen, sondern, wenn sich die Möglichkeit bietet, direkt vor dem Wohneingang parken und die Garage dafür möglicherweise leer bleibt. Also ist die Frage, ob man damit das Problem insgesamt löst, eine Akzeptanzfrage, die gestellt werden muss. Wenn die Bürger diese Wege mitgehen und bereit sind, die Kosten für einen Stellplatz dort zu tragen, wäre ich absolut dafür, Parkhäuser in Ludwigsfelde zu errichten.

Was antworten Sie auf die Frage: Was ist wichtiger: Erhalt und Ausbau von Stadtgrün oder der Bau neuer Parkplätze?

Die Frage kann man nicht mit „entweder oder“ beantworten. Es gibt Bürger, die legen berechtigt großen Wert auf das Thema Stadtgrün. Das Thema Grün hat in Ludwigsfelde immer eine große Rolle gespielt, wobei klar ist, dass sich das Grün an vielen Stellen aufwerten lässt, um die Lebensqualität in den Wohngebieten zu verbessern. Umgekehrt ist es aber auch so, dass wir das Thema nicht negieren können, dass die Leute größtenteils auf das Auto angewiesen sind. Aus unserer Parkplatzanalyse wissen wir auch, dass ein Großteil der Autos nur ein Mal pro Woche genutzt wird. Hier gilt es, gute Alternativen zu schaffen. Ich wäre aber, und das schließt den Kreis zu der vorherigen Frage, eher dafür, Parkhäuser zu errichten, um nicht Flächen in Größenordnungen zu versiegeln und somit auch das Grün weiterhin erhalten zu können. Und vielleicht wären dann Carsharingangebote im Parkhaus eine gute Alternative zu den wenig genutzten und herumstehenden Fahrzeugen in unserer Stadt?

Wie entwickelt sich aktuell das Industriegebiet „Eichspitze“. Welche Unternehmen siedeln sich dort an?

Die Eichspitze Nord hat sich hervorragend entwickelt und ist vollständig vermarktet. Das Thema DHL war natürlich in den Medien sehr präsent. Auf der Fläche daneben hat der Lebensmittelproduzent Chefs Culinar jetzt von der Kreisverwaltung die Baugenehmigung erhalten und wird wohl Ende dieses Jahres anfangen zu bauen. Der Batteriehersteller Microvast hat vor kurzem sein Richtfest gefeiert und wird Anfang 2021 seine Produktion aufnehmen. Bei dieser Ansiedlung ist es uns gelungen, eine Perle für Ludwigsfelde zu gewinnen. Microvast wird hier nicht nur produzieren, sondern auch die gesamten Aktivitäten auf dem europäischen Markt von ihrer Europazentrale in Ludwigsfelde aus lenken.

Es gibt bereits eine weitere geplante Ansiedlung, die ein ähnliches Angebot aufweist, wie das Unternehmen im ehemaligen Hagebaumarkt. Das Unternehmen wird die Autorückläufe aus Carsharingangeboten aufarbeiten, um sie anschließend wieder in den Markt zu bringen. Damit ist die nördliche Fläche der Eichspitze auch schon vollständig belegt.

Verfolgen Sie eine besondere Taktik bei der Ansiedlung neuer Unternehmen am Standort? Stichwort: Logistik.

An der südlichen Fläche arbeiten wir gerade daran, bis zum Jahresende weitere wichtige Schritte zu gehen, um dort das Baurecht zu schaffen. Wir haben diverse Anfragen von Unternehmen, die allerdings noch um Diskretion bitten, die aber dennoch in den Standort Ludwigsfelde investieren und ihren Unternehmenssitz hierher verlagern wollen. Wir haben an die südliche Fläche der Eichspitze einen qualitativ hochwertigen Anspruch. Das Thema Logistik ist dort grundsätzlich ausgeschlossen, weil wir auf unseren eigenen Flächen selbst entscheiden können, wer sich ansiedelt. Wir werden weiterhin darauf Wert legen, dass sich wertige Unternehmen, die einen hohen Wertschöpfungsstandard und gut bezahlte Arbeitsplätze bieten, ansiedeln. Dabei spielt das Thema Diversifizierung, also die Vielfältigkeit der Branchen, eine große Rolle. Wir wollen uns als Stadt bei Krisen von zyklischen Schwankungen einzelner Branchen unabhängiger machen und die Vielfältigkeit des Wirtschaftsstandortes Ludwigsfelde weiter ausbauen.

Ludwigsfelde ist gerade 55 Jahre alt geworden. Legen wir nochmal 10 Jahre rauf – wo und wie sehen Sie die Stadt in 10 Jahren?

Ludwigsfelde im Jahr 2030 soll weiter eine offene und lebendige Stadt sein. Mein tiefster Wunsch ist es, dass alle Akteure in Zukunft immer wieder sagen, „es ist unser Ludwigsfelde, wir fühlen uns wohl und leben und arbeiten gern hier.“

Wir können immer wieder feststellen, dass Menschen, die zu uns gekommen sind, erst viel später gelernt haben, sich mit der Stadt zu identifizieren und es vorher gar nicht für möglich gehalten haben. Wenn ich bei der Geburtstagsrunde der 80-jährigen im Museum nachfrage, sagen ganz viele „Ich wollte ja nur mal ganz kurz…“ und „Ich hätte ja nie gedacht, für immer hier zu bleiben…“

Ich denke, es bleibt dabei: Ludwigsfelde hat viel Charme auf den zweiten Blick. Diesen für die Menschen, die schon seit Generationen hier leben und auch für die, die zu uns gezogen sind, erfahrbar und erkennbar zu machen und daraus eine aktive Bürgerschaft und Gemeinschaft zu formen, das bleibt das Ziel für Ludwigsfelde im Jahr 2030 und ist eine Gemeinschaftsaufgabe, zu der ich alle einlade.

Wir werden uns, wie viele andere Städte, verändern. Wir müssen gesund, gewollt und organisch wachsen. Ja, die Stadt wird auch weiterwachsen, aber es darf nicht mehr in der Geschwindigkeit weitergehen, denn das würde die Stadt auf Dauer zerreißen. Das tut uns allen und auch allen, die zu uns kommen, in der Endkonsequenz nicht gut.

Sie haben jetzt drei Wochen Urlaub – bleibt die Arbeit dann im Rathaus oder packen Sie die mit in den Koffer?

(Lacht…) Ich habe ein Handy, auf dem ich Mails lesen kann. Ich habe vier Konzepte, die ich auch lesen möchte und meine Randnotizen vermerken werde, aber ich werde mir auf jeden Fall die Freiheit nehmen, Dinge auch privat zu tun und mehr Zeit für meine Familie zu haben. Ich bin kürzlich 50 Jahre alt geworden und konnte leider nicht, wie geplant, feiern. Das will ich mit vielen kleinen Treffen mit Freunden und Bekannten jetzt nachholen. Eine Woche werden wir aber auch komplett entschwinden und an die Ostsee reisen.

Als Bürgermeister sind Sie selten vor 20.00 Uhr zu Hause. Auch Termine am Wochenende bleiben nicht aus. Wie geht Ihre Familie damit um und wie erholen Sie sich?

Ich gebe zu, dass ich in Folge der Corona-Krise früher zu Hause war als in den vergangenen Jahren. Wenn ich jetzt zwei Tage in Folge zum Abendessen zu Hause war, hat es in meiner Familie alle etwas irritiert. Es macht mir als Bürgermeister auch Spaß, zu den Leuten zu gehen, sie kennenzulernen und mich mit ihnen zu unterhalten. Es bleibt aber dabei: Die Balance aus Privatleben und dem, was ich als Bürgermeister sein möchte, soll und muss in Zukunft erhalten bleiben, denn es ist Teil meiner Aufgabe. Ich muss als Bürgermeister für die Bürger der Stadt erreichbar sein, und ich will das auch. Die meisten Termine dazu finden aber nun mal größtenteils in den Abendstunden statt.

Ein Vögelchen hat uns gezwitschert, dass Sie überlegen, in die Social Media Welt einzusteigen. Dabei haben Sie das bisher eher abgelehnt. Woher kommt der Sinneswandel?

Gerade in der Ruhe der letzten Wochen, in der es weniger Belastungen gab, hat man natürlich Zeit, sich zu reflektieren. Ich habe gemerkt, dass viele Bürger der Stadt Ludwigsfelde den Menschen Andreas Igel nicht richtig kennen. Das heißt im Umkehrschluss, dass wenn ich das ändern möchte, muss ich auch Informationskanäle finden, mit denen mich die Menschen besser kennenlernen können. Dafür ist Social Media ein gutes Medium. Ich werde aber nicht Tag und Nacht den Facebookaccount der Stadt oder das Bürgerforum beobachten und zu jeder Sache, die dort geschrieben wird, Stellung nehmen.