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Reportage: Zwischen Artenvielfalt und Sauberkeit

Donnerstag, 12.10.2023

Herausforderungen der Grünflächenpflege in Ludwigsfelde

Es ist kurz nach 6.00 Uhr am Morgen. Es ist ein milder Start in den Septembertag. Die Stadt beginnt langsam zu erwachen, die ersten Menschen sind auf den Straßen unterwegs. Auf dem Weg zum Kommunalservice der Stadt Ludwigsfelde, der sich zwischen Krankenhaus und Industriegebiet befindet, kommen uns die ersten Mitarbeiter mit ihrem orangefarbenen Fahrzeug mit Anhänger und Rasenmäher entgegen.

Bereits von der Straße aus lässt sich das unscheinbare Verwaltungsgebäude erkennen, ein Schild mit der Aufschrift „Kommunalservice“ verrät, was sich hinter dem Gebäude befindet. Durch ein großes Metalltor werden wir auf das Gelände gelassen, um die Mitarbeiter des Kommunalservice einen Tag lang zu begleiten.

Eine Hand voll Mitarbeiter steht am Eingang des Verwaltungsgebäudes. Einige nehmen noch einen Schluck aus dem Kaffeebecher, dann ruft Daniel Schwarz, im Kommunalservice als Meister für die Straßenreinigung und den Winterdienst verantwortlich, seine Mitarbeiter zur morgendlichen Besprechung zusammen. Die Route und Aufgaben werden verteilt – die tägliche Arbeit kann beginnen.

Derweil begrüßt uns Bernd Denczyk in seinem kleinen Büro unmittelbar hinter der Eingangstür. Er ist als Meister beim Kommunalservice für die Grünflächen verantwortlich und damit für jene Mitarbeiter, die wir heute begleiten wollen. „Die Kollegen sind bereits kurz nach 6.00 Uhr mit ihren Geräten vom Hof gefahren. Sie werden heute die Flächen im Rousseau-Park, dem Rathausplatz, in der Karl-Liebknecht-Straße und am Krankenhaus pflegen“, erklärt er.

Bevor wir starten, führt uns der Meister durch das Gebäude aus den 80er Jahren und über das Gelände. Neben der Leiterin des Kommunalservice, Evelyn Stöber, und ihrem Assistenten haben außerdem der Leiter des Bauhofs, Bernd Denczyk als Meister für Grünflächen, ein Meister für Straßenreinigung und Winterdienst, ein Streckenkontrolleur, zwei Baumkontrolleure, eine Mitarbeiterin für die Spiel- und Bolzplätze, sowie eine Mitarbeiterin für das Grünflächenmanagement hier ihre Büros. Auf dem Gelände sehen wir zunächst einen großen Unterstand, zwei Hallen und einen alten Schornstein. Insgesamt wirken alle Gebäude etwas in die Jahre gekommen. Der große Unterstand, unter dem sonst das Salz für den Winterdienst gelagert wird, ist mit einem rotweißen Flatterband gesperrt und wird in den kommenden Monaten drei neuen Silos mit je 30 m³ Inhalt für den Winterdienst weichen.

An jeder Ecke gibt es etwas Anderes zu entdecken. Insgesamt wirkt das Gelände wild, aber geordnet. Hier Gehwegplatten und Pflastersteine in verschiedenen Formen, dort Baumstämme, Baumaschinen und zwei Tischkicker für die städtischen Spielplätze. Auch allerhand Sperrmüll und Schrott aus dem Stadtgebiet befindet sich in einem großen, offenen Container.

Unser Blick fällt auf eine relativ neue Halle mit mehreren großen Rolltoren. Im Inneren stehen zwei kleine, aber moderne Multicars, ein Transporter und ein LKW mit großer Ladefläche sowie ein gelber Schaufelbagger. „Insgesamt haben wir 32 Fahrzeuge aller Art und für unterschiedliche Zwecke zur Verfügung“, erklärt Evelyn Stöber, Leiterin des Kommunalservice. Sie hat die Geschicke des Kommunalservice in den vergangenen Jahrzehnten gelenkt und wird im kommenden Jahr in Rente gehen. Mit Leidenschaft erzählt sie über ihren Beruf, der für den Zuhörer eher nach Berufung klingt. „Drei unserer Fahrzeuge sind bereits vollkommen elektrisch unterwegs, ein weiteres wird bald hinzukommen. Auch die elektrischen Geräte wie die Laubsauger oder Kettensägen haben wir vor einigen Monaten auf Akkubetrieb umgestellt“, erzählt sie stolz.

Wir machen uns auf den Weg in den Rousseau-Park. In den vergangenen Jahren sind dort zahlreiche Grünflächen entstanden, die auch von der Stadt Ludwigsfelde gepflegt werden. Ein kleines orangefarbenes Fahrzeug ist von weitem gut zu erkennen. Doch Kommunalservicemitarbeiter sind keine zu sehen, auch nicht vor Ort. Beim Blick entlang des Weges, der sich durch die Grünanlage schlängelt, fallen die gemähten Flächen auf. Das Schnittgut liegt noch auf dem Boden. Insgesamt wirkt es dadurch sehr vertrocknet und farblos. Zwei Tauben stolzieren über die Mahd und picken, was ihnen vor den Schnabel kommt. Vor kurzem konnte man links und rechts des Weges noch eine Wildblumenwiese sehen. Es war ein wilder Mix aus Rainfarn, Wegwarte, Schafgabe und vielen anderen Pflanzen – manche in voller Blüte, andere bereits braun und abgeblüht. Auch Grashüpfer waren zu hören, Schmetterlinge flogen in alle Richtungen.

Wenige Minuten später kommen zwei Mitarbeiter mit einem Transporter mit großer Ladefläche angefahren. Sie hatten bereits die erste Ladung Schnittgut zum Bauhof gebracht. Bevor sie weitermachen, erzählen sie, dass sie in den vergangenen Wochen, zusammen mit anderen Kollegen die kompletten Flächen gemäht hatten. Vor allem die wilden Flächen machen aber den technischen Geräten zu schaffen, die darauf größtenteils nicht ausgelegt sind. Würde man häufiger mähen, würde es den Maschinen auch leichter fallen. So haben sie oft mit verstopften Geräten zu tun. Warum wurde das Schnittgut nicht gleich aufgenommen und wegtransportiert? „Die Pflanzen sollen sich erst wieder aussamen“, sagt der Kollege. Es sei wichtig, dass die Flächen nicht gemulcht und dadurch mit Nährstoffen angereichert werden. Das Gegenteil, also die Abmagerung der Flächen sei für die Wildpflanzen besser. Diese Aussage deckt sich mit der Empfehlung des NABU, der nährstoffarme Böden für eine besonders heimische Wildblumenwiese empfiehlt.

Für die Arbeiter im Rousseau-Park bleibt nicht viel Zeit zum Reden, die Flächen müssen bearbeitet werden. Einer der beiden Mitarbeiter setzt sich in sein Fahrzeug, das das geschnittene Gras ansaugt und im hinteren Bereich auffängt. Er fährt über eine Fläche, die vielleicht so groß ist wie ein Viertel eines Fußballfeldes. Immer wieder muss der zweite Kollege von außen an den Saugrüssel klopfen, um Verstopfungen zu lösen. Nach nicht ganz zehn Minuten ist der Fangkorb voll und wird auf die Ladefläche des Transporters gekippt. Dort ist ungefähr Platz für sieben bis acht Ladungen. Anschließend wird die aufgesammelte Mahd wieder zum Kommunalservice gebracht.

„Wir haben 26 Wildwiesen im Stadtgebiet, die wir mit Absicht stehen lassen, um unseren Beitrag zur Artenvielfalt beizutragen“, erläutert Bernd Denczyk. „An diesen Wiesen werden regelmäßig nur die Ränder gemäht. Aber auch eine Wildwiese sollte ein bis zwei Mal im Jahr gemäht werden, um die Vielfalt der Pflanzen zu erhalten. Auf Dauer setzen sich sonst nur Gräser durch. Der richtige Zeitpunkt der Mahd sorgt dafür, dass die zuvor unterdrückten Kräuter eine Chance zum Wachsen haben. Man spricht in diesem Zusammenhang von einem Schröpfschnitt.“ Leiterin Evelyn Stöber sieht derweil bei der Bodenbeschaffenheit der Wiesen noch Potential: „Es müssen auch innerhalb der Wildkrautwiesen ausreichend Flächen aus Sand, Lehm und Schotter vorhanden sein, damit die rund 400 heimischen Wildbienenarten, die im Boden nisten, einen geeigneten Lebensraum finden.“ Die meisten Probleme gibt es bei der Pflege der Wiesen vor allem für die Maschinen, erzählt Denczyk: „Unsere technischen Geräte kommen durch den dichten Bewuchs der Wildwiesen aber auch an ihre Grenzen. Anfang des kommenden Jahres erhalten wir einen Hochgrasmähcontainer, der uns die Arbeit dann deutlich erleichtern wird.“

Für uns geht es weiter in Richtung Karl-Liebknecht-Straße. Drei Mitarbeiterinnen knien vor einem Rosenbeet und schneiden die verwelkten Blüten, zupfen Unkraut und Müll aus den Beeten heraus. Eine Art Warndreieck am Straßenrand mit dem Schriftzug „Mäharbeiten“ zeigt auch den Autofahrern, dass an dieser Stelle Vorsicht geboten ist. „Wir schneiden in der Straße aktuell das Grün zurück, damit es nicht auf die Straße wächst und keine Gefahr darstellt“, erzählt eine Kollegin, die bereits seit 2007 für die Stadt arbeitet. Zu Wochenbeginn hatten sie bereits die Sträucher gekürzt, sodass Auto- und Radfahrer sich wieder besser sehen können. Für den heutigen Tag haben sie sich vorgenommen, weitere Grünflächen an der Straße zu bearbeiten. Immer wieder, und das ist an den Straßen und Gehwegen häufig der Fall, finden sie Müll aller Art. Allein zwischen April und Juni 2023 wurden 13 Tonnen Müll von den öffentlichen Grünflächen entfernt und entsorgt. Rund 15 Tonnen kamen bei der Entleerung der 415 Mülleimer hinzu. In Summe sind das 28 Tonnen Müll, die im Stadtgebiet landen, die Umwelt belasten und durch die Zeit für andere Dinge und Aufgaben fehlt.

28 Tonnen. Diese Zahl müssen wir auf uns wirken lassen…

Beim Beobachten der Arbeiten kann man feststellen, dass der Arbeitsaufwand und die Pflege der Grünflächen zeitaufwändig und technisch anspruchsvoll sind. Oft wird in den Sozialen Medien darüber diskutiert, dass in Ludwigsfelde immer mehr Flächen versiegelt werden. Das mag an einigen Stellen sicherlich nicht von der Hand zu weisen sein. Dennoch ist nicht mal ein Viertel der Gesamtfläche der Stadt Ludwigsfelde versiegelt. 78 % bestehen aus Grünflächen und Wäldern, von denen viele durch die Mitarbeiter der Stadt Ludwigsfelde gepflegt werden. Das ist ein hohes Pensum und ein großer Koordinationsaufwand, der viel Leidenschaft für die eigene Tätigkeit abverlangt.

Im Gespräch mit allen Mitarbeitern, die sich an diesem Tag im Einsatz befinden, fällt auf, dass sie ihren Job leidenschaftlich gern ausüben und das auch von den Bürgerinnen und Bürgern anerkannt wird. Das bestätigen auch zwei Mitarbeiter, die mit Rasenmäher und Freischneider an den Grünflächen am Krankenhaus aktiv sind. Der Geruch frisch geschnittenen Grases liegt in der Luft, während die Reste der Mahd des Randstreifens auf dem Gehweg verteilt liegen. „Wir bekommen wirklich viel Zuspruch von den Bürgern für unsere Arbeit“, erzählt der Kollege mit dem Freischneider am Körper stolz. Die Pflege der Grünflächen schafft ein wichtiges Heimatgefühl zwischen Bürgern und Stadt. Gleichzeitig führt es auch zu einem gewissen Stolz der Arbeiter, den man in den Gesprächen sehr positiv wahrnimmt.

Bei der richtigen Pflege der Grünflächen gehen die Meinungen bei den Bürgern der Stadt auseinander. Es scheint bei vielen Menschen auch ein innerer Konflikt zwischen Artenvielfalt auf der einen Seite und dem erwarteten Sinn für Ordnung und Sauberkeit auf der anderen Seite zu sein. Wo liegt die richtige Balance zwischen der Erhaltung der Artenvielfalt und dem Bedürfnis nach Ordnung und Sauberkeit in unserer Stadt? Die Antwort auf diese Frage liegt vermutlich in einem guten Kompromiss, einem Balanceakt, den es innerhalb der Stadtgesellschaft immer wieder neu auszuhandeln gibt.