ludwigsfelde
1°
Nebel
99% Luftfeuchtigkeit
Wind: 3m/s O
MAX C 2 • MIN C 1
1°
SA
2°
SO
-1°
MO
-0°
DI
-0°
MI
Wetter von OpenWeatherMap
Öffnungszeiten Bürgerservice
Montag
geschlossen
Dienstag
09:00 – 12:00 Uhr & 13:00 – 18:00 Uhr
Mittwoch
09:00 – 12:00 Uhr
Donnerstag
09:00 – 12:00 Uhr & 13:00 – 18:00 Uhr
Freitag
09:00 – 12:00 Uhr

Jeden 1. und 3. Samstag
von 09:00 – 13:00 Uhr
Kontaktdaten
Rathausstraße 3

Nachhaltigkeit mit Haltung

Freitag, 06.02.2026

Wettbewerb AzubiLu bringt frische Ideen nach Ludwigsfelde

Wie nachhaltig kann Industrie und Handwerk von morgen sein? Antworten darauf lieferten Auszubildende aus verschiedenen Unternehmen beim AZUBI-Wettbewerb der Stadt Ludwigsfelde. Am 3. Februar kamen sie in der Lounge des Klubhauses zusammen, um ihre Projekte und Visionen für mehr Nachhaltigkeit in Ausbildung und Betrieb zu präsentieren.

Eröffnet wurde die Veranstaltung von Ronny Bellovics, 1. Vizepräsident der IHK Potsdam, gemeinsam mit Marie Gosdschick, Auszubildende bei Mercedes-Benz Ludwigsfelde. Bellovics richtete einen deutlichen Appell an den Nachwuchs: Wer bereit sei, die „Extrameile“ zu gehen, werde langfristig profitieren. Gerade Azubis hätten heute die Chance, Wandel aktiv mitzugestalten. Gleichzeitig machte er deutlich, dass Ausbildung künftig noch stärker von Technik, Künstlicher Intelligenz und Innovation geprägt sein werde. Nachhaltigkeit sei dabei keine Checkliste, sondern vor allem eine Frage der Haltung. Ein Beispiel für die nachhaltige Wirkung des Wettbewerbs lieferte ein Rückblick auf das Vorjahr: Für die Azubis von Mercedes-Benz, die im vergangenen Jahr den Titel holten, war direkt klar auch im Folgejahr erneut anzutreten – ein Zeichen dafür, dass die Ideen langfristig in den Unternehmen weitergetragen werden.

Nachhaltigkeit zwischen Anspruch und Realität

Die Keynote hielt Kurt-Christoph von Knobelsdorff, Abteilungsleiter im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz des Landes Brandenburg. Er zollte den vorgestellten Projekten großen Respekt und ordnete das Thema Nachhaltigkeit historisch ein – von den Anfängen des Begriffs bis hin zu den 17 Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2015. Nachhaltigkeit könne „alles sein“ und sei gerade deshalb oft schwer greifbar. Brandenburg hat sich mit seiner Nachhaltigkeitsstrategie klar positioniert und strebt Klimaneutralität bis 2045 an. Seit 1990 seien die Emissionen gesunken, während die Wirtschaft gleichzeitig gewachsen sei. Gleichzeitig, so von Knobelsdorff, müsse Nachhaltigkeit konsequent über ganze Wertschöpfungsketten hinweg gedacht werden – etwa beim Thema Mobilität.

Wie Unternehmen diesen Anspruch konkret umsetzen, zeigten kurze Impulse aus der Praxis:
Ina Asendorf, Betriebsleiterin von Coca-Cola European Partner am Standort Genshagen berichtete von Renaturierungsprojekten, Zero-Waste-Strategien, elektrifizierten Fahrzeugflotten und klaren CO₂-Vorgaben für Investitionen.
Lars Lehmann von der KLAUS KÖHLER Beton- und Fertigteilwerk GmbH (Luckenwalde) berichtete von einer Photovoltaikanlage mit rund 1.000 Modulen, die seit etwa zehn Jahren rund 50 Prozent des Strombedarfs deckt. Das Unternehmen verfolgt das Ziel, bereits 2038 klimaneutral zu sein.

Für Tesla gab Marcel Rauer Einblicke in eine stark integrierte Produktion in Grünheide. Er erläuterte, dass viele Produktionsschritte – vom Presswerk über Batterie- und Gießerei bis hin zu Karosseriebau und Lackiererei – direkt im Werk stattfinden. Dadurch sei Tesla weniger abhängig von globalen Lieferketten. Eine eigene Wasseraufbereitungsanlage ermögliche es, nahezu 100 Prozent des Wassers im Produktionsprozess zu recyceln.

Volker Fennemann vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik gab einen Überblick über Nachhaltigkeitsaspekte über die Wertschöpfungskette eines Produktes.

Azubi-Ideen live on stage

Höhepunkt der Veranstaltung waren die Pitches der Azubi-Finalistinnen und -Finalisten. Auszubildende von 8 Unternehmen unterschiedlicher Größenordnung präsentierten ihre Ideen – teilweise live auf der Bühne, teilweise per Video. Die Azubis von Mercedes-Benz stellten ein mehrstufiges Konzept vor, das vertikale Begrünung, Solardächer, die Nutzung alter E-Fahrzeug-Batterien als Stromspeicher, KI-optimierte Abläufe sowie die Weiterverwertung von Transportabfällen zu modularen Möbeln verbindet. Ein Modell veranschaulichte die ganzheitliche Idee.

Das MTU-Ausbildungsteam aus Hannover stellte eine digitale Lösung zur Papiervermeidung in der Logistik vor. Tesla präsentierte ein vergleichsweise simples, aber wirkungsvolles Beispiel: Allein durch das Ausschalten von Licht in nicht genutzten Bereichen ließe sich so viel Energie einsparen, dass rechnerisch rund zwölf Haushalte ein Jahr lang mit Strom versorgt werden könnten.

Ein weiteres Projekt kam von den Azubis der VOLKSWAGEN GROUP Original Teile Logistik, Vertrieb & Services GmbH und beschäftigte sich mit klimaneutraler Logistik. Vorgeschlagen wurden u.a. Wildblumenwiesen auf freien Werksflächen, Photovoltaikanlagen auf Dächern und über Parkflächen sowie digitale Lieferscheine. Weitere Azubi-Beiträge setzten gezielt bei vorhandenen Strukturen an. Die Azubis der GAG Klausdorf gGmbH schlugen vor, die Wärmeenergie aus täglich verbranntem Holz zu nutzen und daraus Strom zu erzeugen. Gleichzeitig plädierten die Azubis dafür, Nachhaltigkeit konsequent mit marktfähigen Produkten zu verbinden.

Die Azubis der KLAUS KÖHLER Beton- und Fertigteilwerk GmbH rückten den Transport in den Fokus und regten den Umstieg auf E-Lastwagen an, um Energieverbrauch und Emissionen deutlich zu senken. Bei Coca-Cola European Partners (CCEP) zeigten die Auszubildenden, wie viel Klimaschutz auf dem Gelände bereits umgesetzt ist – von elektrifizierter Mobilität bis zu naturnahen Außenflächen – und knüpften damit direkt an die von Ina Asendorf vorgestellten Maßnahmen an. Die Auszubildenden von Gestamp schlugen eine Reihe interessanter Maßnahmen vor, z.B. die Nutzung der Bremsenergie der Pressen im Werk, die Wiederverwertung von Spänen und Metallgrat im 3D-Druck oder auch die Installation spezieller Gehwegplatten, die durch Schritte Energie erzeugen.

Engagement mit Signalwirkung

Die Azubis der Mercedes-Benz Ludwigsfelde GmbH verteidigten ihren Titel und gewannen das Preisgeld von 500 €.  Mit einem Get-together endete der AZUBI-Wettbewerb. Ronny Bellovics sagte zum Anschluss: „Der Azubi- Ideenwettbewerb war eine sehr gelungene Veranstaltung. Wir haben viele sehr talentierte Azubis mit Ihren Ideen, Visionen und Vorschlägen zu mehr Nachhaltigkeit in Ihren Unternehmen kennen lernen dürfen. Es ist sehr beeindruckend, wie vielfältig die Ideen dabei waren und wie selbstsicher viele von Ihnen vor mehr als 100 Zuhörern präsentieren konnten. Für mich als Vertreter der IHK Potsdam und Unternehmer aus Brandenburg steigt die Vorfreude diese jungen Menschen im Arbeitsmarkt ankommen zu sehen. Wir brauchen sie!“

Nachhaltigkeit ist kein abstraktes Schlagwort, sondern beginnt im betrieblichen Alltag – mit Haltung, Kreativität und dem Mut, neue Wege zu gehen.