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Die Wärmewende kommt

Freitag, 26.05.2023

Interview mit Bürgermeister Andreas Igel und Simon Tartler, Geschäftsführer der Stadtwerke Ludwigsfelde

Die Novelle zum Gebäudeenergiegesetz (GEG) sieht vor, dass neue Heizungen ab dem 1. Januar 2024 zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbarer Energie betrieben werden müssen. Das kommt einem Verbot von Öl- und Gasheizungen gleich. Der Beschluss des GEG durch den Bundestag steht jedoch noch aus. Simon Tartler, Geschäftsführer der Stadtwerke Ludwigsfelde, und Andreas Igel, Bürgermeister von Ludwigsfelde sowie Vorsitzender des Aufsichtsrates der Stadtwerke, erklären im Interview, was die Vorgaben des neuen Heizungsgesetzes für die Stadt Ludwigsfelde bedeuten würden.

Herr Tartler, Herr Igel, ist nach der Energiekrise vor der nächsten Energiekrise – oder denken Sie, wir sind mit dem Schlimmsten durch?

Simon Tartler: Die Energiekrise mit ihren Preissprüngen und der drohenden Gasmangellage hat uns allen noch bewusster gemacht: Deutschland muss sich unabhängiger von Energieimporten machen. Auch wenn jetzt bei den Preisen am Beschaffungsmarkt etwas Ruhe eingekehrt ist – wir müssen uns darauf einstellen, dass wir das Preisniveau für Strom und Gas von vor zwei Jahren nicht wieder erreichen werden. Es wird höher bleiben. Deshalb wollen wir als Stadtwerke die Stromerzeugung vor Ort aus erneuerbaren Energien ausbauen. Konkret planen wir derzeit eine PV-Anlage auf dem städtischen Neubau der Kita Fuchsberge. Sie wird rund 90.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr produzieren. Ein Drittel dieses Ökostroms verbraucht die Kita. Der Rest wird ins Stromnetz gespeist. Damit können rechnerisch etwa 25 Haushalte mit grünem Strom versorgt werden. Wir erhöhen unseren Einsatz und das Tempo in Ludwigsfelde beim Ausbau der grünen Stromerzeugung für das schnellere Gelingen der Energiewende. Denn Strom spielt mit steigender Zahl von Wärmepumpen auch für die Wärmewende eine zunehmend wichtige Rolle.

Andreas Igel: Die Errichtung der Solaranlage auf dem Dach der Kindertagesstätte ist ein Pilotvorhaben, mit dem wir Erfahrungen für Folgeprojekte sammeln. Wir werden auf den drei neuen Schulgebäuden und Sporthallen ebenfalls Solaranlagen der gleichen Größenordnung installieren. Später sollen auch bestehende kommunale Gebäude mit Solaranlagen nachgerüstet werden. So leisten wir gemeinsam, Stadt und Stadtwerke, unseren Beitrag zur Energiewende. Die drohende Gasmangellage im vergangenen Winter haben wir gemeinsam gut überstanden. Das liegt vor allem daran, dass es vergleichsweise mild war und es keine langen Frostphasen gab. Da Gas in Deutschland immer noch für die Produktion eines Teils des inländischen Stroms eingesetzt wird, ist es weiterhin wichtig, Strom zu sparen. So beugen wir einem Engpass vor. Deshalb schalten wir in Ludwigsfelde die Straßenbeleuchtung zwischen 23 und 5 Uhr ab. So sparen wir jährlich rund 650.000 Kilowattstunden Strom ein. Im Sommer werten wir weitere Optionen aus, wo die Stadt sonst noch Energie sparen kann, und entscheiden neu über das nächtliche Abschalten der Straßenlaternen. Die Stadt Ludwigsfelde hat den Betrieb der gesamten Straßenbeleuchtung neu ausgeschrieben. Ziel der Ausschreibung ist auch die schnelle Erneuerung der Leuchtmittel. Durch energiesparende Lampen können wir die Straßenlaternen dann wieder durchgängig leuchten lassen.

Herr Igel, was bringen Ihrer Kommune eigentlich eigene Stadtwerke? Wozu sind die gut? 

Andreas Igel: Unsere Stadtwerke sind ein mehrheitlich kommunales Unternehmen, die Stadt Ludwigsfelde ist Hauptanteilseignerin. Das ist wichtig. Ihnen obliegen Aufgaben der Daseinsvorsorge für unsere Mitbürgerinnen und -bürger. Sie kümmern sich um die Versorgung der Menschen vor Ort mit Lebensnotwendigem wie Strom, Gas und Wärme. Als Vorsitzender des Aufsichtsrats der Stadtwerke achte ich gemeinsam mit den anderen Mitgliedern des Aufsichtsrats darauf, dass die Stadtwerke als Unternehmen gut wirtschaften und die Bürgerinnen und Bürger sicher und zu sozial akzeptablen Preisen versorgen. Die weiteren Anteilseigner der Stadtwerke sind das Energieversorgungsunternehmen EWE und der Netzbetreiber E.DIS. Mit ihnen haben wir starke Partner mit an Bord, die das energiewirtschaftliche Know-how und die Investitionskraft haben, die es braucht, um die Energiewende voranzutreiben.

Welche Aufgaben können Stadt und Stadtwerke am besten gemeinsam lösen, damit Ludwigsfelde in eine sichere und nachhaltigere Energiezukunft steuert?

Andreas Igel: Der größte Einsparhebel ist Wärme. Hier kann Jede und Jeder aktiv beitragen, Energie zu sparen. Mehr als die Hälfte des deutschen Energieverbrauchs entfällt auf die Wärme. Das weiß auch die Regierung und hat deshalb das GEG und die kommunale Wärmeplanung auf den Weg gebracht. Ludwigsfelde wird derzeit unterschiedlich mit Wärme versorgt. Im Nord- und Südwesten mit Fernwärme aus dem Fernwärmenetz. Im Nordosten mit Nahwärme aus dem Energieträger Erdgas. Im Südosten heizen die meisten direkt mit Erdgas. Die Einwohner sind somit sehr unterschiedlich von den neuen Rahmenbedingungen der Bundesregierung betroffen. Wir betrachten unsere elf Ortsteile individuell. Für jeden Ortsteil prüfen wir Möglichkeiten der dezentralen Wärmeversorgung. Dabei untersuchen wir unter anderem auch, ob und wie industrielle Abwärme genutzt werden kann. Wichtig ist, dass wir für die Bürgerinnen und Bürger in der Kernstadt und den Ortsteilen Planungssicherheit schaffen und ihnen eine sichere Heizperspektive bieten.

Wie schätzen Sie die Novelle des Gebäudeenergiegesetzes ein, Herr Tartler?

Simon Tartler: Wir verstehen die Bedenken der Bürgerinnen und Bürger, die zurzeit noch mit Erdgas heizen und hohe Kosten für die energetische Sanierung ihrer Häuser und die Umrüstung auf eine Wärmepumpe fürchten. Das neue GEG sieht jedoch umfangreiche Förderungen für Hauseigentümer vor. Allerdings wird erst die Zeit zeigen, was diese Maßnahmen konkret bewirken. Auch wir als Stadtwerke werden auf die Veränderungen reagieren und die Stromnetze ausbauen. Durch die Elektrifizierung von Wärme und Mobilität werden diese mehr gefordert und müssen ertüchtigt werden. Auch unsere Wärmenetze werden wir für die neuen Anforderungen fit machen. Das kostet Geld und braucht Zeit. Insgesamt haben wir dafür bis 2027 Investitionen von über 9 Millionen Euro vorgesehen. Gleichzeitig werden die bestehenden Gasnetze auf lange Sicht überflüssig und verlieren an Wert. Das stellt uns unternehmerisch vor große Herausforderungen, die wir angehen müssen.

Herr Bürgermeister: Wie weit sind Sie mit der kommunalen Wärmeplanung? Sind die Stadtwerke involviert? Und wenn ja, Herr Tartler, wie und für was?

Andreas Igel: Die Stadt wird in Kürze beim Bund Fördergelder für eine Machbarkeitsstudie zur kommunalen Wärmeplanung für die Kernstadt und die Ortsteile beantragen. Wir sind früh dran und der Fachbereich Bauen und Infrastruktur arbeitet schon jetzt eng mit den Stadtwerken zusammen. Erst mal geht es darum, den Wärmebedarf der Stadt zu erheben und einen gebäudescharfen Wärmeatlas zu erstellen. Ganz wichtig ist zu berücksichtigen, wie sich der Wärmebedarf zukünftig in unserer Stadt entwickeln wird. Wir sind eine der stärksten Wirtschaftsregionen Brandenburgs; das bietet uns besondere Möglichkeiten. Aktuell kooperieren wir beispielsweise mit der Stadt Baruth und der Gemeinde Großbeeren beim Thema Wasserstoff. Wasserstoff ist absehbar eine der zentralen Energiequellen für die Industrie und in Teilen auch für die Mobilität. Unser gemeinsames Ziel ist, hierzu Angebote vor Ort zu schaffen. Das entlastet die Stromnetze und bietet Unternehmen Planungssicherheit.

Simon Tartler: Die Machbarkeitsstudie zur kommunalen Wärmeplanung wird für die strategische Ausrichtung der Stadtwerke wichtige Erkenntnisse liefern. Daher ist eine enge Zusammenarbeit mit der Stadt auch in unserem Interesse. Für das energieintensive Gewerbe könnte Wasserstoff künftig nachhaltig Energie liefern. Der Einsatz von Wasserstoff in Privathaushalten ist aus heutiger Sicht schwierig. Es fehlt an einer passenden Infrastruktur auf der untersten Versorgungsebene. Und es bleibt fraglich, ob in absehbarer Zeit ausreichend Wasserstoff für den Wärmemarkt zur Verfügung steht.