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Abschied nach acht Jahren

Freitag, 06.12.2024

Erster Beigeordneter, Christian Großmann, verabschiedet sich und blickt zurück

Nach acht Jahren als Erster Beigeordneter des Bürgermeisters verlässt Christian Großmann die Stadt Ludwigsfelde und verabschiedet sich in den Ruhestand. Im Interview blickt er auf die Herausforderungen seiner Amtszeit zurück, erzählt von kuriosen Momenten, prägenden Begegnungen und erklärt, warum die Digitalisierung noch einiges an Arbeit erfordert. Außerdem verrät er, welche Ratschläge er seinem Nachfolger mit auf den Weg gibt – und was er selbst in Zukunft nicht vermissen wird.


Herr Großmann, Ihre Zeit im Rathaus Ludwigsfelde endet heute nach insgesamt acht Jahren. Wie fühlt sich dieser Übergang für Sie an, und was wird Ihnen besonders fehlen?

Ich glaube, der Übergang in einen neuen Lebensabschnitt ist immer etwas Besonderes. Man lernt neue Menschen kennen, altbekannte Gesichter der letzten Jahre sieht man dagegen viel seltener oder gar nicht mehr. Was mir besonders fehlen wird, kann ich noch nicht so genau sagen, aber ich weiß, was ich auf gar keinen Fall vermissen werde: den täglichen Weg zur Arbeit mit seinen Dauerbaustellen auf der A 10.

Ihre Amtszeit begann mit einem kleinen Unfall, bei dem das Ordnungsamt und Segways im Mittelpunkt standen. Was ist damals passiert, und welche Anekdote bleibt Ihnen aus dieser Zeit in Erinnerung?

Naja, es war wohl der Versuch der Stadt, moderner zu erscheinen als wir es wirklich waren. Damals sollten Segways für den Außendienst angeschafft werden. Nach einigen Versuchen wurden dann zwei günstige Modelle beschafft. Leider waren sie dann in Punkto Stabilität nicht so gut geeignet wie die teureren Originale, was mich auf einer Testfahrt mit Ordnungsamtleiter Henry Nottrott im Grünstreifen enden ließ…

Sie waren nie jemand, der sich in die Öffentlichkeit drängte. Vielmehr haben Sie oft aus dem Hintergrund agiert und Entscheidungen intern vorangetrieben. Warum war Ihnen diese zurückhaltende Rolle wichtig?

Ich finde, dass der Bürgermeister die Stadtverwaltung nach außen repräsentiert – er ist das Gesicht der Stadt. Da wäre es nicht sinnvoll, wenn sein Stellvertreter versucht, heller zu scheinen als er. Wenn ich das gewollte hätte, wäre ich vielleicht woanders als Bürgermeisterkandidat angetreten – Anfragen hat es gegeben. Aber auf der anderen Seite war es auch schön, nur einen Teilbereich zu verantworten und nicht für alles zuständig zu sein.

Foto: Jutta Abromeit/MAZ - Ernennung zum Ersten Beigeordneten im November 2016

Wenn Sie zurückblicken: Welche Momente haben Sie in den acht Jahren besonders herausgefordert, und wie haben Sie diese gemeistert?

Meine Amtszeit war irgendwie dreigeteilt. Vor Corona, während Corona und nach Corona. Insbesondere die Jahre 2020 und 2021 waren – ich denke für die meisten von uns – eine Herausforderung, wie man sie hoffentlich nur einmal in seinem Leben erlebt. Diese zwei Jahre waren völlig neu, neue Herausforderungen, für die es so gut wie keine Blaupausen gab. Den ersten Handlungsplan habe ich nach der Pressekonferenz des Ministerpräsidenten nachts zu Hause geschrieben…

Gibt es ein Projekt oder eine Entscheidung, auf die Sie besonders stolz sind und die Ihnen noch lange in Erinnerung bleiben wird?

Besonders in Erinnerung bleibt mir die von der Stadt in Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus aus dem Nichts organisierte Impfaktion für die Seniorinnen und Senioren der Stadt. Da haben alle mitgezogen, zu allererst meine Mitarbeiterinnen aus dem Bürgerservice, die zusammen mit der IT ein „Callcenter“ für die Terminvergabe im Rathaus eingerichtet und betrieben haben. Oder die Assistentinnen der Verwaltungsleitung, die zusammen mit unserem „Chefdigitalisierer“ aus dem Ordnungsamt die hunderten Einladungsschreiben erstellt und per E-Post versandt haben – oder auch der Außendienst, der, wenn es ganz schnell gehen musste, damit keine raren Impfdosen verfallen, auch manche Einladungen noch per Hand an die alten Leutchen verteilt haben. Dieses Beispiel zeigt auch zweierlei sehr deutlich: erstens, wie wichtig es ist, ein gutes Krankenhaus in der Stadt zu haben, und zweitens, was wir auf der kommunalen Ebene erreichen können, wenn wir alle an einem Strang ziehen… und das auch noch in dieselbe Richtung. Im Ergebnis haben wir durch unser beherztes Handeln auch einige Leben gerettet.

Foto: (KC Blau-Weiß) Als erster Vertreter des Bürgermeisters verteidigte Christian Großmann im November 2019 das Rathaus gegen den Karnevalsverein.

Das große Thema Ihrer Amtszeit war der starke Zuzug und der notwendige Ausbau von Kitas und Schulen. Dabei mussten Sie, zuletzt sogar als Kämmerer, stets die Finanzen der Stadt im Blick behalten. Hatten Sie viele schlaflose Nächte?

Der Zuzug hat die Stadt sicherlich vor große Herausforderungen gestellt. Die finanzielle Seite ist dabei nur ein Aspekt. Allerdings hat die Stadt in den letzten Jahren auch gut gewirtschaftet; dazu kamen massiv steigende Einnahmen aus der Gewerbesteuer. Deshalb haben mir die Finanzen keine schlaflosen Nächte beschert. Dennoch gab es solche Momente, und jede Führungskraft sagt nicht die Wahrheit, wenn sie behauptet, immer ruhig schlafen zu können. Ich denke da an die Anfangszeit im Sachgebiet Personal, wo es durch Krankheit und Fluktuation in manchem Monat nicht sicher war, ob wir die Lohnabrechnung überhaupt erstellen können und das Gehalt der Beschäftigten pünktlich überweisen können.  Aber geklappt hat es doch immer… irgendwie. Durch interne Qualifikation engagierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie jetzt auch – nach mehreren Irrwegen – durch eine gute Führungskraft sorgen diese Ängste allerdings seit längerem nicht mehr für schlaflose Nächte.

Sie haben in den vergangenen Jahren viele Menschen getroffen, von Bürgern über Kollegen bis hin zu Vertretern der Politik. Gab es Begegnungen, die Ihnen besonders in Erinnerung blieben?

Bestimmt, aber wenn ich konkret gefragt werden, fällt es mit schwer, bestimmte Personen zu benennen. Dazu kommt – und das ist jetzt sehr persönlich – dass ich mir nur sehr schwer Gesichter einprägen kann. Es gab viele Kolleginnen und Kollegen im Haus, die ich außerhalb ihres Büros – und ohne das Türschild – nicht einordnen konnte. Das macht in so einem Job auch nicht gerade einfacher. Das Gleiche passiert mir auch manchmal auf der Straße, wenn man von „wildfremden“ Menschen gegrüßt wird, und es dann doch das Ortsbeiratsmitglied aus x oder der Ortswehrführer aus y ist. Allerdings gilt für alle Beschäftigte in der Stadtverwaltung ja der Grundsatz: Grüße jede und jeden freundlich, sie könnten ja nach der nächsten Wahl dein Chef sein…

Ihr Nachfolger soll Paul Niepalla, aktuell Fachbereichsleiter Soziales, Familien, Sport und Kultur, werden. Welche großen Herausforderungen sehen Sie auf ihn zukommen, und was möchten Sie ihm mit auf den Weg geben?

In den Bereichen Digitalisierung und Prozessmanagement gibt es noch sehr viel zu tun. Auch manche meiner Organisationsentscheidungen sollte er sich anschauen, ob sie zu seinem Führungsstil passen. Am Ende ist aber das Zitat von Willy Brandt immer noch aktuell: Nur wer verantwortungsbewusst zu verändern versteht, kann bewahren, was sich bewährt hat.

Was wünschen Sie Ludwigsfelde für die Zukunft?

Das ist schwer zu sagen. Am ehesten noch, dass alle Akteure sich immer am Machbaren ausrichten mögen, die Wünsche mit dem finanziell realisierbaren abgleichen und nicht jede Woche alles immer neu repriorisieren.