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Schnee, Eis und einsatzbereit

Freitag, 16.01.2026

Kommunalservice-Leiter im Interview über Herausforderungen der vergangenen Wintertage

Die ersten Wochen des Jahres haben Ludwigsfeldes Straßen und Gehwege fest im Griff: Schnee, Eisregen und Glätte stellten den Kommunalservice vor große Herausforderungen. Wir sprechen mit Steffen Bork, Leiter des Kommunalservice, darüber, wie der Winterdienst der Stadt Ludwigsfelde organisiert ist, welche Herausforderungen es gibt und wie Bürgerinnen und Bürger helfen können.


Die ersten 14 Tage des Jahres waren von Schnee und jetzt Eisregen und Glätte geprägt. Wie fällt das Gesamtfazit aus Sicht des Kommunalservice aus?

In den letzten Wintern hatten wir häufig Wetterlagen um den Gefrierpunkt, verbunden mit hoher Luftfeuchtigkeit und oft unklaren oder sehr schwankenden Wetterprognosen, bei denen es sprichwörtlich „alles oder nichts“ sein konnte. In diesem Jahr hingegen waren die Bedingungen eindeutig, was die Einsatzplanung deutlich erleichtert hat.

Besonders positiv hervorzuheben ist auch die Motivation der Mitarbeitenden. Sie haben sich trotz der vielen Einsatzstunden darüber gefreut, dass die gesamte Bandbreite der vorhandenen Technik tatsächlich zum Einsatz kommen konnte und der Fuhrpark unter realen Winterbedingungen gefordert war. Insgesamt waren wir gut vorbereitet und konnten die Situation zuverlässig bewältigen.

Wie ist der Winterdienst in Ludwigsfelde organisatorisch aufgebaut und wie wird bei plötzlich eintretenden Wetterlagen reagiert?

Der Winterdienst in Ludwigsfelde ist klar organisiert und durchgehend einsatzbereit. Die Straßenreinigungssatzung regelt den Einsatzzeitraum, sodass die Mitarbeitenden täglich zwischen ca. 2:00 Uhr bis 20:00 Uhr in mehreren Schichten tätig sind. Bereitschaftszeiten, konkrete Einsätze, die Organisation von Streumittellieferungen sowie notwendige Reparaturen werden jeweils durch eine Einsatzleitung koordiniert. Der Winterdienst ist dabei auch an Feiertagen wie Weihnachten, Silvester oder während des Ludwigsfelder Neujahrsfeuerwerks im Einsatz – unabhängig davon, ob der Großteil der Bevölkerung schläft, feiert oder ebenfalls arbeitet.

Bei plötzlich eintretenden oder sich rasch ändernden Wetterlagen wird flexibel reagiert. Grundlage für die Einsatzentscheidungen sind spezialisierte Wetterberichte des Deutschen Wetterdienstes (DWD) über das SWIS-System, eigene Kontrollfahrten auf festgelegten Strecken sowie seit diesem Jahr zusätzlich Messsensoren an Fahrzeugen, die aktuelle Straßen- und Wetterdaten liefern. So kann schnell und gezielt auf Glätte, Schneefall oder andere Gefahren reagiert werden.

Bild: Wetterberichte des Deutschen Wetterdienstes über das SWIS-System

Nach welchen Kriterien wird entschieden, welche Straßen und Bereiche zuerst geräumt und gestreut werden?

Welche Straßen und Bereiche in welcher Reihenfolge geräumt und gestreut werden, wird bereits Monate vor Beginn der Winterdienstsaison festgelegt. Die Priorisierung orientiert sich dabei vor allem an der Verkehrsbedeutung und dem Gefahrenpotenzial einzelner Abschnitte. Vorrang haben besonders wichtige und sensible Bereiche, wie zum Beispiel Hauptverkehrsstraßen, Strecken zum Krankenhaus, zu Bahnhöfen und zum Rathaus sowie Zuwegungen zu Kitas, Schulen und Brücken. Erst nach der Bearbeitung dieser prioritären Routen folgen nachrangige Straßen und Bereiche.

Welche Aufgaben übernimmt der Kommunalservice selbst und in welchen Bereichen unterstützen externe Firmen den Winterdienst?

Der Kommunalservice übernimmt den Winterdienst in Ludwigsfelde auf den Hauptverkehrsflächen, insbesondere auf kommunalen Straßen, Plätzen und Wegen, soweit diese nicht in die Zuständigkeit anderer so genannter Baulastträger fallen.

Unterstützt wird der Kommunalservice durch mehrere externe Winterdienstfirmen vor allem in den Ortsteilen sowie auf den meisten kleineren Anliegerstraßen. Diese Dienstleister übernehmen dort das Räumen und Streuen, um eine flächendeckende Sicherstellung des Winterdienstes zu gewährleisten.

Archivbild

Da Ludwigsfelde von Kreis-, Landes- und Bundesstraßen durchzogen wird, bestehen zudem unterschiedliche Zuständigkeiten nach dem Brandenburgischen Straßengesetz (BbgStrG). Für diese Straßen ist häufig der Landesbetrieb Straßenwesen Brandenburg beauftragt. Mit dessen örtlicher Vertretung pflegt der Kommunalservice langjährige und sehr gute Beziehungen, sodass sich die Beteiligten im Bedarfsfall gegenseitig unterstützen.

Wer ist in Ludwigsfelde für die Räumung und Streuung der Gehwege zuständig und was bedeutet das konkret für Anlieger?

In Ludwigsfelde ist klar geregelt, wer sich im Winter um welche Flächen kümmern muss. Die genauen Zuständigkeiten stehen in der Straßenreinigungs- und Gebührensatzung sowie im Straßenreinigungsverzeichnis. Dort gibt es gleich zu Beginn auch hilfreiche Hinweise, die gut erklären, was jeweils zu tun ist.

Kurz gesagt: Der Kommunalservice, oder die von ihm beauftragten Firmen, ist in den meisten Fällen für die Fahrbahnen zuständig. Die Anliegerinnen und Anlieger kümmern sich um die Gehwege vor ihren Grundstücken. Gibt es keinen Gehweg, ist stattdessen die sogenannte Ersatzfläche zu räumen und zu streuen.

Konkret heißt das für Grundstückseigentümer: Bei Schnee und Glätte müssen die Gehwege bzw. Ersatzflächen rechtzeitig geräumt und abgestreut werden, damit Fußgänger sicher unterwegs sind.

Foto: Stefan Seewald

Welche Streumittel kommen aktuell zum Einsatz und worauf wird bei der Auswahl besonders geachtet?

Aktuell setzt der Kommunalservice vor allem Splitt mit 2/5er Körnung, Streusalz und Sole ein. Dabei kommt es stark darauf an, für welche Witterungsbedingungen welches Mittel am besten geeignet ist, was eine echte Wissenschaft für sich ist. Ich bin froh darüber, dass ich Mitarbeitende mit teilweise jahrelanger Erfahrung habe. Sie sind in der Lage, lokale Gegebenheiten frühzeitig einzubeziehen und die passenden Entscheidungen zu treffen. Der Faktor Mensch ist bei all der vorhandenen technischen Unterstützung nicht zu unterschätzen, weil Erfahrung, Aufmerksamkeit und Reaktionsschnelligkeit oft den Unterschied machen.

Bei der Auswahl der Streumittel orientieren wir uns unter anderem an den Empfehlungen der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (Arbeitsausschuss Winterdienst), um die Maßnahmen aktuell und wirksam zu gestalten. Außerdem wird bei der Lagerung und Bereitstellung der Streumittel zwischen wirtschaftlichen, organisatorischen und ökologischen Aspekten abgewogen, sodass sowohl Kosten, Verfügbarkeit als auch Umweltverträglichkeit berücksichtigt werden.

Und wann wird der Splitt wieder entfernt?

Der verteilte Splitt bleibt in der Regel bis zum Ende der Winterdienst-Saison liegen, da er weiterhin für sichere Straßenverhältnisse sorgt. In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass die Saison oft etwas später beginnt, sodass gegen Ostern die Temperaturen meist so stabil sind, dass der Splitt mit der Kehrmaschine wieder eingesammelt werden kann.

Foto: Kommunalservice Ludwigsfelde

Gab es in den vergangenen Tagen besondere Herausforderungen oder Situationen, die den Winterdienst zusätzlich erschwert haben?

Ja, die gab es. Trotz bestehender Verträge und eigentlich kurzer Lieferfristen war es aufgrund der bundesweit angespannten Wetterlage zeitweise sehr schwierig, ausreichend Streusalz nachzubekommen. Der hohe Bedarf in ganz Deutschland hat die Lieferketten deutlich belastet.

Mit viel Einsatz und organisatorischem Aufwand ist es dennoch gelungen, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Hinzu kommt, dass nicht genug Lagerfläche vorhanden ist, um Streumittel für eine komplette Wintersaison auf dem Bauhof zu bevorraten. Deshalb ist der Winterdienst besonders auf regelmäßige Nachlieferungen angewiesen.

Wir sind aber auch selbstkritisch genug und mit der Qualität des Winterdienstes in den Ortsteilen und Anliegerstraßen derzeit noch nicht zufrieden. Dort wird der Winterdienst überwiegend durch beauftragte Winterdienstfirmen durchgeführt. Die Rückmeldungen und Beschwerden aus den Ortsteilen kann ich aus Sicht der Betroffenen gut nachvollziehen.

Für die Bürgerinnen und Bürger ist dabei nicht erkennbar, ob eine Straße durch den Kommunalservice oder durch eine externe Winterdienstfirma betreut wird. Die Kritik richtet sich daher verständlicherweise immer an die Stadt. Das trifft jedoch auch die engagierten Mitarbeitenden des kommunalen Winterdienstes, die ihre Aufgaben mit großem persönlichen Einsatz erfüllen. Umso wichtiger ist es für uns, die Abläufe mit den beauftragten Unternehmen weiter zu überprüfen und dort nachzusteuern, wo Verbesserungen notwendig sind.

Foto: Stefan Seewald

Was bringt die Zukunft im Winterdienst mit sich und gibt es Auswirkungen durch den Klimawandel?

Die Zukunft des Winterdienstes in Ludwigsfelde wird auch vom Klimawandel sowie möglichen Änderungen bei den Zuständigkeiten beeinflusst. Das Wetter wird unberechenbarer, sodass flexibles Planen und schnelle Reaktionen immer wichtiger werden.

Vor fast 10 Jahren hat sich in einer Bürgerbefragung eine knappe Mehrheit dafür ausgesprochen, dass die Stadtverwaltung Ludwigsfelde anders als viele Nachbarkommunen, auch auf den Anliegerstraßen den Winterdienst durchführt. Ob das angesichts veränderter Witterungsbedingungen und der hohen Kosten für externe Dienstleister noch zeitgemäß ist, wird die Stadtverordnetenversammlung 2026 neu prüfen.

Welchen Wunsch oder welche Bitte habt ihr an die Bürger?

Damit unsere Winterdienstfahrzeuge problemlos durchkommen, bitten wir Sie, Ihre Autos so zu parken, dass genug Platz bleibt und sich natürlich der Witterung entsprechend zu verhalten.

Und falls Ihnen unser Winterdienst gefällt: Wir freuen uns über ein kleines Feedback an kommunalservice@ludwigsfelde.de. Die Mitarbeitenden freuen sich über jede Rückmeldung.