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 „Wer dem Wald schadet, schadet sich selbst!“

Montag, 09.10.2023

Garten- und Grünabfälle in den Wald? „Nein!“, sagt Revierförster Lukas Rolle!

Lukas Rolle ist der Ludwigsfelder Revierförster. Der 28-jährige Forstingenieur arbeitet seit zwei Jahren für den Landesbetrieb Forst bei der Oberförsterei Wünsdorf. Im Gespräch erzählt er, welche Herausforderungen es in seinem Beruf gibt und wie die Menschen dabei helfen können, den Wald und das dortige, sensible Ökosystem zu schützen.

Foto: Lisa John/MAZ

Für welches Waldgebiet sind Sie als Revierförster genau zuständig?

» Das Forstrevier Ludwigsfelde ist deckungsgleich mit der Stadt Ludwigsfelde, also inklusive aller Ludwigsfelder Ortsteile.

Sie werden in der Woche sicherlich sehr häufig in den Ludwigsfelder Wäldern unterwegs sein – wie sieht die tägliche Arbeit aus, was fällt auf und was hat sich in den letzten Jahren besonders verändert?

» Meine Arbeit ist sehr vielfältig. Zum Beispiel kontrolliere ich den Wald auf Schäden und achte auf die Einhaltung des Landeswaldgesetzes. Ein wichtiger Arbeitsschwerpunkt ist auch die Beratung und Unterstützung aller Waldbesitzer bei der Bewirtschaftung des Waldes.

Ich bin zwar erst seit wenigen Jahren in der Branche tätig, und dennoch sehe ich bereits rasante Veränderungen. Die Extreme nehmen zu. Es wird vor allem immer heißer und trockener und die Wälder kämpfen an vielen Stellen ums Überleben. Dazu kommen Brände, Stürme und Schädlinge wie die Borkenkäfer. Unsere Strategie lautet daher Waldumbau. Mehr Baumartenvielfalt für die Kiefernforsten.

Eine Baumart, die sich in den letzten Jahrzehnten unter den alten Kiefern rasant verbreitet hat, ist die Spätblühende Traubenkirsche (Prunus serotina). Neben den Vorteilen, die diese Laubbaumart mit sich bringt, stellt sie uns jedoch auch vor Herausforderungen.

Invasiven Pflanzen spielen zur Aktionswoche „Stadtgrün statt grau“ auch eine wichtige Rolle. Ist die Kirsche jetzt auch schlecht für die Gärten?

» Die Spätblühende Traubenkirsche ist nicht prinzipiell schlecht. In den Gärten fungiert sie allerdings als leidiger Samenspender für die Wälder. Die Samen werden unter anderem durch Vögel verbreitet und legen weite Strecken zurück.

Im Wald kann die Spätblühende Traubenkirsche zur Plage werden. Durch ihr schnelles Wachstum und ihre rasante Verbreitung verdrängt sie heimische Baumarten und erschwert den Waldumbau. Vielerorts wächst unter den Kiefern eine neue Monokultur aus spätblühender Traubenkirsche heran. Was wir jedoch wollen, sind gemischte Wälder aus möglichst heimischen Baumarten.

Einige Haus- und Gartenbesitzer bringen ihre Grünabfälle mit einer großen Selbstverständlichkeit und mit guter Absicht in den Wald. Dabei ist Grün nicht gleich Grün und kann einen ganz gegenteiligen Effekt auf die Wälder haben, richtig?

» Ja, das stimmt. Garten- und sonstige Grünabfälle gehören aus verschiedenen Gründen auf keinen Fall in den Wald! Zum einen wird das natürliche Nährstoffgefüge gestört. Wo Gartenabfälle verrotten, wächst bald nur noch die Brennnessel aufgrund der Stickstoffanreicherung. Außerdem gelangen Nitrate in den Boden, die langfristig unser Trinkwasser belasten. Nicht zuletzt breiten sich diverse Arten im Wald aus, die dort für Schäden sorgen und das sensible Ökosystem aus dem Gleichgewicht bringen. Wer meint, Gartenabfälle „würden ja schließlich verrotten“ und „schaden dem Wald ja nicht“, der irrt.

Dürfen gar keine Grünabfälle in den Wald?

» Nein. Alles, was nicht natürlicherweise aus dem Wald stammt und dort gewachsen ist, gehört dort auch nicht hin! Auch nicht das Laub von den Obstbäumen im eigenen Garten, Heckenschnitt oder Mahtgut.

Drohen Strafen, wenn jemand dabei erwischt wird?

» Ja. Wer Grünabfälle im Wald entsorgt, begeht eine Ordnungswidrigkeit, was ein Bußgeld nach sich zieht.

Welchen Wunsch haben Sie für Ihre Arbeit als Revierförster in Ludwigsfelde?

» Ich wünsche mir mehr Achtsamkeit im Wald. Es fängt mit dem Abladen von Grünabfällen und sonstigem Müll an und hört dort lange nicht auf. Ein Teil der Gesellschaft hat die Bedeutung dieses sensiblen Ökosystems noch nicht erkannt. Wer dem Wald schadet, schadet letztendlich sich selbst!